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Zeitzeuge Sally Perel
Geschichtsgrundkurs hört Vortrag des Zeitzeugen Sally Perel
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Geschichtsunterricht ’mal anders: am 25. September hörte der Geschichtsgrundkurs des Sprach- und Kunstprofils einen Vortrag der besonderen Art.
Im Großen Saal des Altstadtrathauses sprach Salomon (Sally) Perel darüber, wie er den Nationalsozialismus erlebte.
Das Bemerkenswerte daran: Sally Perel ist gebürtiger deutscher Jude und überlebte den Nationalsozialismus nur, indem er sich als „Volksdeutscher“ ausgab.
Für uns Schüler schilderte er zwei Stunden lang seine Lebensgeschichte, die ihren Anfang in Peine nahm. Perels glückliche Kindheit glückliche Kindheit in Peine endete jedoch mit der Machtergreifung der Nazis und die damit verbundene Diskriminierung der in Deutschland lebenden Juden.
Nach der Zerstörung der Lebensgrundlage seiner Familie, zog Perel mit seinen Eltern und Geschwistern nach Polen. Als die deutschen Truppen in Polen einmarschierten musste er seine Familie verlassen, um einer Gefangennahme zu entkommen. Er floh in den sowjetischen Teil Polens und lebte dort in einem Heim, bis die Deutschen auch dorthin vordrangen und ihn gefangen nahmen.
In der Schlange der Gefangenen, die sich vor den deutschen Offizieren ausweisen sollten, eingereiht, fasste er schließlich den Plan, der sein Leben retten sollte: unbemerkt vergrub er seine Ausweispapiere und gab sich vor den deutschen Offizieren als Joseph, „Volksdeutscher“, dem sein Ausweis abhanden kam aus. Die Offiziere ließen sich von seinem fließenden Deutsch überzeugen; von diesem Moment an verbrachte Perel die restlichen Jahre unter Deutschen, erst an der Front und schließlich in Deutschland selbst.
Perel schilderte uns auf beeindruckende und eindringliche Weise, wie er in Braunschweig eine Schule der Hitlerjugend besuchte: sein Aufenthalt dort war gefährlich, den wenn bekannt geworden wäre, dass er ein Jude war, wäre er getötet worden.
Besonders interessant war dabei die Beschreibung eines Lebens mit zwei Identitäten: auf der einen Seite die des Salomon Perel, des Juden, seine wahre, aber unbedingt geheim zu haltende Identität. Auf der anderen Seite die Rolle des Josef, des „Volksdeutschen“, des Hitlerjungen und späteren deutschen Soldaten; die Identität, die ihm das Leben rettete. Diese beiden Identitäten scheinen in einer Person unvereinbar, doch tatsächlich begann Perel sich in seiner Rolle als Josef zunehmend wohler zu fühlen; als Josef hatte er Unterricht, schloss Freundschaften mit anderen Hitlerjungen und traf seine erste Liebe.
Obwohl Perel, wie er selbst betonte, immer ein Gegner von Diktatur und Krieg war, fand er Gefallen an dem Leben, dass er als Jugendlicher in Braunschweig führte. Braunschweig wurde für ihn zu einer zweiten Heimat - und ist es noch immer - , doch er durfte die Situation, in der er sich befand, dabei nicht vergessen, Unvorsichtigkeit war ein Risiko, dass er sich nicht leisten konnte.
Als Perel schließlich Soldat wurde, verfolgte er nur eine Absicht: da er seine Familie nicht vergessen hatte und immer wieder an seine Eltern, die in Polen in der Stadt Lódz zurückgeblieben waren, dachte, sparte er seinen gesamten Urlaub für eine Reise nach Lódz, auf der er versuchen wollte, das Schicksal seiner Familie ergründen. Da es ihm als „Volksdeutschem“ verboten war, das als Judenghetto bezeichnete Viertel zu betreten, fuhr er jeden Tag seines Urlaubs mit der Straßenbahn durch das Judenghetto und hielt nach seinen Eltern Ausschau – vergebens. Nach einigen Wochen kehrte er ohne Antwort auf das Schicksal von Vater und Mutter nach Deutschland zurück und verrichtete weiterhin seinen Dienst als Soldat. Am Ende des Krieges wurde er von den Alliierten gefangen genommen, aber schon nach kurzer Zeit wieder freigelassen, seine wahre Identität brauchte er daraufhin nicht mehr zu verbergen.
Heute ist Sally Perel 83 Jahre alt, doch noch immer berichtet er über sein Leben zu Zeiten des Nationalsozialismus und beantwortet Fragen. Auch für uns Schüler hat er sich die Zeit genommen, Fragen nach den Hintergründen seiner Erfahrungen zu beantworten.
Seine Lebensgeschichte hat er auch aufgeschrieben und unter dem Titel „Ich war Hitlerjunge Salomon“ veröffentlicht; das Buch wurde im Jahr 1990 unter dem Titel „Hitlerjunge Salomon“ verfilmt.
Ansprechpartner: Herr Merkel
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